Die Botschaft in Miesbach 
Saturday, 25 .February, 2006, 03:55 - Deutsche Einträge, Music

So lange ist das noch nicht her, da hatte mein Herkunftsort Miesbach noch eine eigene Botschaft. Eine recht musikalische. Die Botschaft nannte sich selbst "Bar - Longue - Club" und die zugehörige Website existiert immer noch, das gleichnamige Lokal leider nicht mehr. Dort, im Miesbacher Sudhaus, befindet sich jetzt eine Rockdisco, die auch nicht zu verachten ist. Aber die Botschaft war schon a bissl was b'sonders. Und das wage ich zu beurteilen, obwohl ich nicht oft dort war.

Am 10. Juli 2004 war ich zum erstenmal dort und am Abend darauf habe ich einen kleinen Gästebucheintrag verfasst, der mir immer noch gut gefällt und den ich hier - vielleicht mehr als Nachruf - wiedergebe.

Mein erster Abend in der Botschaft war für mich die Ausuferung von Zuständen, die sich seit Jahren in Miesbach im Geheimen abzeichneten, jedoch niemals mit derartiger Übermacht zu Tage traten. Über dreißig Jahre, nahezu die von Shy besungenen "35 Sommer", habe ich mich im Nabel des Landkreises aufgehalten und die Ufer waren immer hoch genug. Wir mussten schon in die Schlierach steigen, um uns nass zu machen - wir taten es auch, wenn auch nur stockbesoffen und nach einem Bad im Michaelsbrunnen, einem freiwilligen, auch wenn ich immer noch glaube die Stadt unterliegt einem Irrtum und es handelt sich bei dem Herrn um den anderen Drachentöter.

Endlich hat Miesbach eine Botschaft für ganz Oberbayern. Die bekannten Gesichter passen da ebenso hin wie die unbekannten, die Musik sehnt sich manchmal nach ein wenig mehr Strangeness und Schmutz, wabert aber trotzdem in Spähren hinein, in denen der Kleinstadtgeist leise verendet, niemand geizt, schon gar nicht mit Reizen und ein Gespräch kann vom tiefsten Dialekt ins Englische und wieder zurückkippen.

Was habt IHR da bloss angestellt? Und wie? Ihr ward sicher nicht bekifft, sonst wäre was mit E-Gitarren rausgekommen und das Kellergewölbe würde mit Blumenbildnisskitschattacken auf die Seele drücken. Hat Euch denn die Botschaft wirklich ereilt?

Ihr Fotografen und Werbetexter, Gardarobenmenschen und Baranoiker, Organisatösen und alle anderen Bösen - macht die Botschaft weiterhin zu einem Statement. Ich werde immer wieder mal vorbeikommen, wenn es Zeit und Raum erlauben, und mich in Eurer Aussagekraft baden.

Kippis!
Georg


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